SPD-Landtagsabgeordneter Dr. Rainer Prewo beim Bürgergespräch in Schömberg

Veröffentlicht am 13.12.2010 in Ortsverein

„Herausforderungen des ländlichen Raums – Infrastruktur/Touristik“ lautete das Thema, zu welchem die SPD Schömberg den Landtagsabgeordneten Dr. Rainer Prewo eingeladen hatte. Ausführlich und engagiert stand Dr. Prewo über drei Stunden lang den Mitgliedern und interessierten Bürgern Rede und Antwort. Dabei war bei seinen Ausführungen stets die praktische Erfahrung spürbar, die er während 16 Jahren als Oberbürgermeister von Nagold, 20 Jahren im Kreistag Calw und 5 Jahren im Parlament als Landtagsabgeordneter gesammelt hat. Als wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Sprecher für Handwerk und Mittelstand liegt Dr. Prewo die Entwicklung des ländlichen Raums besonders am Herzen.

Dass der ländliche Raum insgesamt und in besonderer Weise der Landkreis Calw durch die demografische Entwicklung ein Riesengepäck an Herausforderungen zu schultern haben, wurde aus Dr. Prewos Eingangsstatement deutlich. Während viele Städte in Baden-Württemberg derzeit noch einen leichten Bevölkerungszuwachs haben, verzeichnen die Landkreise Jahr für Jahr Bevölkerungsverluste vor allem durch Abwanderung in die Städte. Überdurchschnittlich stark betroffen ist der Landkreis Calw. Er verliert derzeit jährlich 700 bis 800 Einwohner, also jährlich ein kleines Dorf. Davon sind nur etwa 100 Personen der geringeren Geburten- als Sterberate zuzurechnen. Die anderen 600 Personen wandern in die Städte ab, welche mit Infrastrukturvorteilen und Arbeitsplätzen punkten. Für die ländlichen Regionen droht hier eine gefährliche Abwärtsspirale. Zwei Beispiele: Weniger Bürger im Ort führen zu geringerer Nachfrage im Einzelhandel, folglich sind Geschäfte von der Schließung bedroht und der Ort verliert so an Attraktivität. Die sinkende Kinderzahl im Ort führt zunächst zur Reduzierung von Kindertagesgruppen, im Anschluss ist die Hauptschule vor Ort von der Schließung bedroht.

Was muss im ländlichen Raum passieren, um den Teufelskreis zu durchbrechen? In kleinerem Maßstab sind in interkommunalen Gewerbegebieten sicherlich noch Betriebsansiedlungen und damit Arbeitsplätze, Gewerbesteuer- und Einkommenssteuereinnahmen zu erreichen. Die Branche, die jedoch international und auch in Deutschland kontinuierlich gewachsen ist und für die auch zukünftig Wachstum zu erwarten ist, ist der Bereich Tourismuswirtschaft. Allerdings hat der Nordschwarzwald davon in den letzten Jahren nicht profitiert sondern im Gegenteil mit rückläufigen Übernachtungszahlen zu kämpfen. Im Trend sei, so Dr. Prewo, der kurze Aktivurlaub in Form von Wandern und Radfahren. Und diese Outdooraktivitäten suchten in der Regel nicht die armen Leute, sondern Leute, die im Hotel übernachten und Wellnessangebote wahrnehmen wollen. Daher müssen zertifizierte( u. a. naturnahe ) Wanderwege, bewirtschaftete Wanderhütten, Radwege, E-Bikes und Wohnmobilstellplätze regional vernetzt angeboten werden. Hinzu kommen müsse ein verbesserter öffentlicher Nahverkehr mit Anbindung aller Dörfer im engen Taktfahrplan und eine S-Bahnstrecke Calw - Stuttgart. Zur Aufwertung der Ortskerne schlug Dr. Prewo die Wiederbelebung und Verschönerung von Dorfplätzen vor, in deren Bereich der Verkehr beruhigt werden müsse. Damit die Schule auch bei sinkenden Schülerzahlen im Dorf bleiben könne, plädierte Dr. Prewo für ein längeres gemeinsames Lernen bis Klasse 10, mit dem viele europäische Länder gute Erfolge vorweisen. Eine wohnortnahe Krankenversorgung durch Arztpraxen ist eine weitere wichtige Voraussetzung, dass Familien dem Dorf nicht den Rücken kehren.

Natürlich kosteten all diese Maßnahmen Geld. Hier müsse sich die öffentliche Hand, also Land, Landkreis und Gemeinde finanziell stärker engagieren, um diese für die Bürger und den Tourismuswirtschaft gleichermaßen wichtigen Infrastrukturverbesserungen anzustoßen. „Dann folgen auch die Bürger nach: Mutige öffentliche Investitionen ziehen private Investitionen nach sich“, so Dr. Prewo. Hand in Hand können so die Gemeinden vorangebracht werden.

In der anschließenden lebhaften Nachfrage- und Diskussionsrunde wurde ein ganzes Bündel von Themen angesprochen, die hier nur in stichpunktartig aufgezählt werden können: Fehlendes Radwegestück entlang der Landesstraße L346 zwischen Oberlengenhardter Höhe und Igelsloch; Unterschiede bei der Höhe der Landeszuschüsse zwischen den Bäderorten Bad Wildbad, Bad Liebenzell und dem heilklimatischen Kurort Schömberg; Zuschusshöhe für ein Naturfreibad; Kleinteiligkeit der Verkehrsverbünde in Baden-Württemberg; schlechte Erreichbarkeit von Stuttgart mit öffentlichen Verkehrsmitteln aber auchder Kreisstadt von Schömberg aus; Rückkauf der EnBW-Aktien durch das Land; Familienpolitik und Familienförderung; Kinderbetreuung; Schulpolitik; Haltung der SPD zum Projekt Stuttgart 21.

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich der Ortsvereinsvorsitzende Martin Linzner herzlich bei Dr. Prewo und bei den Teilnehmern für ihr reges Interesse.

(gez.) Helmut Sperth, Pressesprecher

 

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