

Oberreichenbach. „Willkommen im Zentrum des Kreises Calw“, mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Johannes Schaible die SPD-Landtagskandidatin Daniela Steinrode im Rathaus von Oberreichenbach – augenzwinkernd, aber geografisch durchaus zutreffend. Gemeinsam mit ihrem Ersatzkandidaten Jochen Maier aus Calw-Hirsau und Sarah Luminario vom SPD-Ortsverein Oberreichenbach informierte sich Steinrode über aktuelle Themen und Herausforderungen der Schwarzwaldgemeinde.
Oberreichenbach mit seinen rund 3.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt mitten im Landkreis Calw und ist geprägt von ausgedehnten Wäldern – rund 80 Prozent der Gemeindefläche sind bewaldet. Bürgermeister Schaible berichtete über die Herausforderungen in der Bewirtschaftung und die zunehmenden bürokratischen Anforderungen, die die Verwaltung stark belasten.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Windkraft. Auf Gemeindegebiet selbst besteht eine Vorrangfläche, die an das Unternehmen Qualitas verpachtet wurde. Dort sollen Windräder entstehen. „Wichtig war uns, die Bürgerinnen und Bürger transparent in die Planungen einzubinden“, betonte Schaible. Durch die frühzeitige Beteiligung der Bürgerinitiative sei eine sachliche Diskussion möglich gewesen.
Ein großes Thema war auch die Situation des ländlichen Raums. Daniela Steinrode machte deutlich, dass der Landkreis Calw und vergleichbare Regionen in Stuttgart zu wenig wahrgenommen werden. „Gerade im Bereich Infrastruktur braucht es deutlich mehr Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse des ländlichen Raums“, sagte die Landtagskandidatin. Beispielhaft hierfür wurden Mobilfunk und Notfallpraxen diskutiert: In Oberreichenbach steht ein Funkturm, der bislang nur von einem Anbieter genutzt werde. Die Bemühungen der Gemeinde, auch andere Netzbetreiber zu gewinnen, seien bisher ohne Erfolg geblieben. Die Schließung der Notfallpraxis habe zur Folge, dass die Notaufnahmen der Krankenhäuser überlastet werden. „Dies ist eine kritische Einschränkung der akuten Gesundheitsversorgung“ betonte Steinrode und zeigte sich enttäuscht vom grünen Sozialminister Manfred Lucha, der als Aufsichtsbehörde für die Kassenärztliche Vereinigung verantwortlich sei, aber bislang keine Lösung erreicht habe.
Positiv hob Bürgermeister Schaible hervor, dass die Gemeinde viel dafür tue, ihre Attraktivität zu erhalten: „Seit 13 Jahren haben wir das Elektro-Bürgerauto, das mit ehrenamtlichen Fahrern zu günstigen Konditionen Fahrten innerhalb des Gemeindegebiets und die benachbarten Zentren anbietet.“ Auch in der Kinderbetreuung sei man gut aufgestellt: Vier Kindertagesstätten – zwei davon in kommunaler Trägerschaft – bieten ausreichend Plätze. Eine Grundschule und mehrere Spielplätze gehören ebenso zur Infrastruktur. Der beliebte Spielplatz direkt am Rathaus wurde bereits aufgewertet und weitere sollen folgen. In Planung ist zudem ein Bikepark, der im Zuge der Fortschreibung des Flächennutzungsplans berücksichtigt werden soll. „Das wäre ein wichtiges Angebot für Jugendliche, die im ländlichen Raum sonst oft zu kurz kommen“ unterstrich Jochen Maier.
Derzeit arbeitet die Gemeinde am Gemeindeentwicklungskonzept „Oberreichenbach 2040“, um die Gemeinde gut für die Zukunft aufzustellen und will dazu die Bürgerschaft über einen Zukunftsworkshop mit einbinden. Auch wirtschaftlich steht Oberreichenbach gut da: Im interkommunalen Gewerbegebiet am Würzbacher Kreuz, das gemeinsam mit den Städten Calw und Bad Teinach-Zavelstein betrieben wird, sind mehrere mittelständische und innovative Unternehmen ansässig.
Infrastruktur und Verkehr bleiben dennoch Dauerbrenner. Schaible plädierte für eine Landesverkehrsgesellschaft, um die Vielzahl an regionalen Verkehrsverbünden zu bündeln. „Das derzeitige Flickwerk hilft niemandem“, sagte Daniela Steinrode und fügte hinzu: „Wir müssen Mobilität im ländlichen Raum als Landesaufgabe verstehen – und nicht als lokale Zuständigkeit.“
Auch die Feuerwehr wurde thematisiert: Oberreichenbach verfügt über zwei Abteilungen in Oberreichenbach und Würzbach mit über 80 aktiven Feuerwehrleuten sowie einer sehr starken Jugendfeuerwehr, die aktuell wegen des großen Andrangs sogar einen Aufnahmestopp verhängen musste.
Zum Abschluss formulierte Bürgermeister Schaible mehrere Wünsche an die Landespolitik: mehr finanzielle Unterstützung über den kommunalen Finanzausgleich, weniger Bürokratie und eine bessere Einbindung der ländlichen Räume in die politische Entscheidungsfindung.
Daniela Steinrode zog nach dem Gespräch ein positives Fazit: „Oberreichenbach zeigt, wie engagiert Gemeinden im ländlichen Raum ihre Zukunft selbst gestalten. Aber sie brauchen Unterstützung von oben, um weiterhin lebendig, modern und attraktiv bleiben zu können.“