Die SPD im Kreis Calw

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Gute Bildung - Gerechte Bildung

Veröffentlicht am 25.09.2009 in Veranstaltungen

Unter diesem Titel veranstaltete der Calwer SPD-Kreisverband eine Podiumsdiskussion. Auf das Podium geladen waren der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Claus Schmiedel, Gerhard Schlecht, Ressortleiter Aus- und Weiterbildung der Kreishandwerkerschaft Calw und Heike Wolf, Vertreterin der Initiative Störfall Stammheim (www.stoerfall-stammheim.de). Moderiert wurde die Diskussion von Saskia Esken, SPD-Bundestagskandidatin.

Bildung ist ein Menschenrecht

Saskia Esken begrüßte die Gäste und Podiumsteilnehmer und erläuterte das Anliegen der Veranstaltung. Gute Bildung bedeute nicht nur formale Bildung, die auf die Berufsausübung abziele, sondern habe als Ziel die Entwicklung des ganzen Menschen – seiner Persönlichkeit, seine Handlungs- und Kritikfähigkeit.

Bildung sei die Grundlage für die Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft ebenso wie für gute, qualifizierte Arbeit und damit für ein erfülltes Leben. Aber nicht nur individuelle Lebenschancen, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft von Land und Gesellschaft hingen von der Qualität von Bildung und Ausbildung ab. „Wir können es uns nicht leisten, Begabungspotenziale nicht zu nutzen, der Bedarf an qualifizierten Facharbeitern und Hochschulabsolventen steigt ständig“, so Esken.

Daher bräuchten wir auch gerechte Bildung, die es jedem Kind und Jugendlichem ermögliche seine individuellen Potenziale auszuschöpfen und zwar unabhängig von seiner Herkunft und vom Einkommen seiner Eltern. PISA wie auch die Studien der OECD weisen immer wieder nach, dass das deutsche Bildungssystem nicht nur insgesamt, sondern insbesondere bei der Frage der gerechten Bildungschancen erhebliche Mängel aufweise.
Gerechte Bildungschancen und durch gute Bildung Teilhabe an der Gesellschaft, dies fordere die SPD. Bildung sei ein Menschenrecht, das eingelöst werden müsse.

Die SPD fordere daher eine umfassende Bildungsreform und habe dazu im Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen ein Konzept entwickelt. Bei dieser Podiumsdiskussion seien Dialogpartner das Handwerk und Betroffene vor Ort.

Schwerpunkte der Bildungsreform

Claus Schmiedel legte in seinem Eingangsstatement die Schwerpunkte der sozialdemokratischen Bildungsreform dar. Viele Untersuchungen zeigten auf, dass der Schulerfolg entscheidend von einer ausreichenden Sprachkompetenz zu Beginn der Schule abhänge. Viele Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern kämen mit unzureichenden Sprachkenntnissen in die Schule, der schulische Misserfolg sei so schon oft vorprogrammiert.

Daher käme der vorschulischen Bildung und Betreuung eine besondere Bedeutung zu, weshalb sollten möglichst alle Kinder den Kindergarten besuchen sollten. Um dies zu fördern wolle die SPD den beitragsfreien Kindergarten. Überdies müsse dort eine gute Sprachbildung durch gut qualifizierte Erzieherinnen sicher gestellt werden Für die Grundschule müssten einerseits die Rahmenbedingungen verbessert werden, unter anderem kleinere Klassen, integrativer Unterricht und Ganztagsschulen.

Aber auch die Schulstruktur müsse reformiert werden, weg vom dreigliedrigen Schulsystem hin zu längerem gemeinsamen Lernen bis zur neunten Klasse. Es sei einfach nicht möglich, so der überwiegende Teil der Experten, dass Potenzial eines Kindes von zehn Jahren mit Sicherheit erkennen zu können. Kinder entwickelten sich in unterschiedlichen individuellen Zeitabläufen, dem würde die Selektion in Hauptschule, Realschule und Gymnasium nach dem vierten Schuljahr nicht gerecht. Kinder, die eine Empfehlung für die Hauptschule bekämen, sein oft demotiviert.

Die Hauptschule leide seit Jahren unter Schülerrückgängen und Imageverlust, obwohl die Hauptschullehrer eine sehr engagierte und innovative Arbeit leisteten. Man dulde, dass viele junge Leute die Hauptschule ohne Abschluss verließen, dann auch keinen Ausbildungsplatz fänden und letztlich etwa ein Fünftel ohne Berufsausbildung ins Arbeitsleben starte. Andererseits wurde das Turboabitur eingeführt, was den Abschluss nach acht statt wie bisher nach neun Jahren Gymnasium vorsähe, um einen früheren Berufseinstieg zu erreichen. Die SPD wolle das G8 nicht wieder abschaffen. Da es aber Eltern und Schülern unter großen Druck setze, wolle man die Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 durch beibehalten von G9 ermöglichen.

Gerhard Schlecht
Gerhard Schlecht

Mangelnde Ausbildungsreife

Gerhard Schlecht erklärte, dass auch Handwerksberufe immer komplexer und komplizierter würden. Gleichzeitig sei bei den Schulabgängern oftmals eine mangelnde Ausbildungsreife festzustellen. Die Schulen schafften es nicht, Schüler zuverlässig für eine Lehrstelle in Handwerk, Handel oder Industrie zu qualifizieren. Nur etwa jeder zweite bekäme gleich einen Ausbildungsplatz, die anderen landeten in „Maßnahmen“ also in Warteschleifen. Zu bemängeln seien nicht nur schlechte Fähigkeiten beim Schreiben, Rechnen und Lesen, sondern auch bei sozialen Kompetenzen und Umgangsformen. Da er als Obermeister selber junge Leute zu Schreinern ausbilde, sei er täglich damit konfrontiert. Und bei dem Konkurrenzdruck, der heutzutage in Betrieben herrsche, sei kaum Zeit, schwächere Lehrlinge besonders zu fördern. Die Politik müsse endlich zu Lösungen kommen.

Heike Wolf
Heike Wolf

Störfall Stammheim

Heike Wolf, stellvertretende Vorsitzende der Initiative „Störfall Stammheim“ legte das Anliegen der Initiative dar. An der Stammheimer Grundschule seien auf Grund des Klassenteilers, es waren zwei Kinder zu wenig, aus drei Klassen zwei gemacht worden. Diese zwei Klassen seien jetzt mit 29 und 30 Kindern sehrgroß. Eigentlich für vernünftiges pädagogisches Arbeiten zu groß. Man habe die Schulbehörden darum gebeten, den Ermessensspielraum auszuschöpfen und die Klassen nicht zusammen zu legen. Zumal ja in absehbarer Zeit der Klassenteiler herunter gesetzt werden solle. Außerdem gäbe es das Versprechen der Landesregierung, die zurückgehenden Schülerzahlen nicht für Einsparungen zu missbrauchen, sondern dazu, die Klassen zu verkleinern. An der Schule habe man von der „Offensive Kinderland“ aber nichts bemerkt, alle Eingaben seien abschlägig beschieden worden.

Fragen und Diskussion

Verschiedene Fragen und Beiträge kamen in der anschließenden Diskussionsrunde, die von Saskia Esken moderiert wurde, aus der Zuhörerschaft. Unter anderem wurde nach der Finanzierung der Reformen gefragt. Dazu erklärte Claus Schmiedel, dass Ausgaben für die Bildung endlich als Zukunftsinvestitionen begriffen werden müssten, die für die ganze Gesellschaft Renditen brächten und nicht als Konsumausgaben.

Er sei aber auch überzeugt, dass die Reformen zu einem Teil kostenneutral zu machen seien, wie viele Beispiele von Modellschulen zeigten. Sinnvoller sei es auch, Geld nicht zur „Reparatur“ der Folgen des Bildungssystems einzusetzen – Jugendliche, die sich in Warteschleifen und Maßnahmen, wie z.B. Berufsvorbereitungszeit befänden, kosteten den Steuerzahler sehr viel. Besser sei es das Geld da zu investieren, wo es präventiv wirke, nämlich im vorschulischen Bereich und in die Schulreformen.

Dem Vorwurf einer Teilnehmerin, dass die Eltern doch deshalb ihre Kinder nicht mehr zur Hauptschule schicken wollten, weil diese und die Arbeit der Lehrer dort schlecht geredet werde, wies Claus Schmiedel mit Nachdruck zurück. Er betonte, dass die Forderungen der SPD nach Reformen des Bildungssystems nicht die Ursache seiner Schwäche oder die Ursache für die rückläufigen Schülerzahlen an den Hauptschulen seien, sondern die Antwort der SPD auf die, vor allem auch von Fachleuten, konstatierten Mängel desselben. Auch die Landesregierung operiere ständig mit diesem Vorwurf, statt sich den Realitäten zu stellen, ideologische Vorbehalte über Bord zu werfen und endlich die längst überfälligen, auch von anderen, nicht nur von der SPD angemahnen Reformen anzupacken.

Auf das Argument, dass das dreigliedrige Schulsystem den unterschiedlichen Begabungen am Besten gerecht würde, antwortete Dr. Rainer Prewo MdL. Diese Begabungslehre sei eine Art Aberglaube. So wie man noch in den sechziger Jahren glaubte, Mädchen seien mathematisch-naturwissenschaftlich nicht begabt, werde heute immer noch die Unterteilung in handwerklich und theoretisch Begabte aufrechterhalten. Welche Begabung ein Schüler, eine Schülerin habe soll zudem gleich nach dem vierten Schuljahr festzustellen sein. Nebenbei seien heute über 50% der Mathematikstudenten junge Frauen!

Viele weitere Punkte wurden angesprochen und engagiert diskutiert, wofür sich Saskia Esken bei allen Beteiligten herzlich bedankte. Sie hoffe, so die SPD-Kandidatin, dass durch viele ähnliche Veranstaltungen der Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen über ein besseres Schulsystem fortgeführt werde und dass die überfällige Reform des Bildungssystems, auch durch Druck auf die CDU geführte Landesregierung, endlich realisiert würde.

saskiaesken.de

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