Gute Arbeit am Arbeitsmarkt gestalten

Veröffentlicht am 08.07.2012 in Kreisverband
  • ver.di Landeschefin Breymaier bei den Sozialdemokraten im Kreis

Bei ihrer Kreisdelegiertenkonferenz in Bad Teinach am vergangenen Samstag hatten die Calwer Sozialdemokraten zum Thema Arbeitsmarkt zwei kompetente Referenten: Über die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik und der Tarifpartner am Arbeitsmarkt sprach die Leiterin des ver.di-Landesbezirks Baden-Württemberg, Leni Breymaier, während Ortwin Arnold, Geschäftsführer des Jobcenters, über die Problemlagen des Arbeitsmarkts im Kreis Calw sprach.

Die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier machte deutlich, dass der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren eine vielfache Zergliederung erfahren habe. Während früher die Arbeitnehmer, meist Frauen, eine Teilzeitstelle wählten, um Beruf und Familie vereinbaren zu können, werde Teilzeitbeschäftigten heute nicht selten ein Maß an Flexibilität auf Abruf abverlangt, welches die Vereinbarkeit von Familie und Beruf völlig unmöglich mache. Neu sei auch die Zweiteilung des Arbeitsmarkts in befristete und unbefristete Verträge sowie in Stammbelegschaft und Leiharbeit, wo die Ungleichheit der Bezahlung die Belegschaft ein und desselben Betriebs in zwei Welten trenne. Tätigkeiten im Niedriglohnsektor machten es für viele auch in Vollzeit Tätige notwendig, Hilfe zum Lebensunterhalt zu beantragen. Nach Ansicht der Gewerkschafterin Breymaier ist es zur Überwindung der Spaltung des Arbeitsmarkts notwendig, Befristungen wieder auf begründete Fälle zu begrenzen wie Vertretungen für Erziehungsurlaube, Krankheitsfälle oder Sabbatjahre. Die Leiharbeit müsse durch den Grundsatz gleicher Bezahlung für Stamm- und Leihbeschäftigte wieder auf die Bewältigung von Auftragsspitzen reduziert werden. Gar nicht gehe die Kombination von Leiharbeit und Befristung. Durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 8,50 Euro müsse außerhalb von Tarifverträgen eine „Haltelinie“ eingezogen werde, damit der Steuerzahler nicht weiterhin durch die Aufstockung bis zum Hartz-IV-Satz Dumpinglöhne subventionieren müsse. Unterstützenswert sei das von der Landesregierung angestrebte Tariftreuegesetz, das die Vergabe öffentlicher Aufträge in Land und Kommunen an die Zahlung von Tariflöhnen knüpfen wolle. Gerade zur besseren Finanzierung der Sozialversicherungssysteme und insbesondere der Rente seien der Ausbau der Sozialversicherungspflicht und damit der Rückbau prekärer Beschäftigung notwendig. Die Kreisdelegierten stimmten nach eingehender Beratung einstimmig einem Antrag zum Landesparteitag zu, der die genannten Forderungen unterstreicht. Der Geschäftsführer des Jobcenters Calw, Ortwin Arnold, berichtete von den geradezu spektakulär niedrigen Arbeitslosenzahlen im Kreis Calw. Auch in den Krisenjahren 2008/09 habe es durch die Kurzarbeit fast keine Entlassungen gegeben. Seither steige die Beschäftigung zwar ständig an, aber leider fast ausschließlich als Leiharbeit – offenbar seien die Betriebe über die wirtschaftliche Entwicklung eher verunsichert. Problematisch sei im Kreis Calw die Entwicklung des Fachkräftebedarfs, wenn gut ausgebildete junge Menschen abwanderten. Selbst gut und höchst qualifizierte Alleinerziehende seien im Kreis wegen mangelnder ganztägiger oder flexibler Kinderbetreuungsangebote schwer vermittelbar. Esken informierte, dass die Zuschüsse des Landes nun auch im Kreis Calw die Tätigkeit von Tageseltern attraktiver mache, und eine hinreichend flexible Betreuung gerade für die Kinder von Schichtarbeiterinnen sei eben nur durch Tageseltern möglich, das könne keine Kindertagesstätte leisten. Als wertvoll bezeichneten Arnold und Esken die Bemühungen der Landkreisverwaltung mit den Wirtschaftsunternehmen um Auszubildende im Kreis, die sich bei der Top Job Messe oder dem Projekt der Firmeninfotage zeigten, wo Unternehmen im Kreis in den Sommerferien gezielte Schnuppertage in den Betrieben für Jugendliche anbieten (www.firmeninfotage.de). Neben der inzwischen angedachten Zuwanderung von Auszubildenden muss laut Ortwin Arnold die scheinbar mangelnde Ausbildungsreife hiesiger junger Menschen durch die Begleitung im Übergang von Schule und Beruf oder auch einmal durch besondere Impulse überwunden werden. Dem Projekt AliSchwa der Erlacher Höhe, das junge Menschen in betreute Praktika nach Schweden oder Spanien vermittelt, sei er anfangs skeptisch begegnet. Die Teilnehmer hätten aber einen beispiellosen Motivationsschub erfahren, und ausnahmslos alle hätten inzwischen vermittelt werden können. Das zeige, dass Saskia Esken mit ihrer Einschätzung Recht habe: Nicht wenige derer, über die man da sage, sie wollten halt keine Leistung bringen, hätten in den vielen Jahren der Misserfolgsorientierung einfach den Glauben an sich selbst und damit jede Zuversicht verloren. „Wenn die jungen Menschen erfahren, dass die Gesellschaft etwas von ihnen erwartet, weil wir ihnen etwas zutrauen, dann kann das Eis gebrochen werden“ hofft Esken. Das zeigten auch die Erfolge der Lernpaten, für deren ehrenamtliche Begleitung von Schülern und Auszubildenden Esken ausdrücklich warb. „Es ist aber auch dringend notwendig und viel effizienter, schon in Kindergarten und Schule dafür zu sorgen, dass unterschiedliche familiäre Hintergründe und Sprachentwicklungsstände erst gar nicht zu eklatant unterschiedlichen oder gar verlorenen Bildungschancen führen“.

 

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