Dr. Rainer Prewo: „Wir brauchen mehr Ganztagesschulen.“

Veröffentlicht am 11.02.2011 in Pressemitteilungen

Der SPD-Landtagsabgeordnete des Landkreises Calw hält zusätzliche Investitionen in die Bildung für unumgänglich Dr. Rainer Prewo: „Wir brauchen mehr Ganztagesschulen.“ Wie kann der durch die soziale Herkunft bedingten Ungleichheit der Chancen in unserem Bildungssystem begegnet werden? Welche Chancen und welche Risiken birgt die Einführung der neuen Werkrealschule? Und wie wollen die Landespolitiker die Realschule in ihrer Situation als „Sammelbecken für Schüler mit unterschiedlichsten Hintergründen“ unterstützen? Diese Fragen hatten die Eltern im Arbeitskreis der Elternbeiräte im Kreis Calw aus den Wahlprüfsteinen des Landeselternbeirats ausgewählt und sie den Landtagsabgeordneten und -kandidaten des Kreises im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion zur Bildungspolitik im großen Saal des Landratsamts gestellt. „Politikern auf den Zahn fühlen“ lautete das Motto des Abends, und die Vorsitzende des Arbeitskreises, Saskia Esken, freute sich in ihrer Begrüßung über das rege Interesse und zitierte passend aus einer jüngst veröffentlichten Umfrage von infratest-dimap, nach der 92 Prozent der Baden-Württemberger die Bildungspolitik für „sehr wichtig“ oder doch zumindest „wichtig“ halten.

Zur sogenannten neuen Werkrealschule bezog der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Rainer Prewo klar Stellung: „Die Einführung der Werkrealschule kostet Schulstandorte bei uns im ländlichen Raum“, prognostiziert der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Rainer Prewo. Doch nicht nur der Verlust der weiterführenden Schulen in kleinen Gemeinden bereitet dem ehemaligen Nagolder Oberbürgermeister und Wirtschaftsexperten der SPD-Landtagsfraktion zunehmend Kopfzerbrechen. Prewo befürchtet, dass auch die Schüler der Werkrealschule ebenso wie die Hauptschüler benachteiligt sein werden, „denn die Wirtschaftsunternehmen werden unterscheiden zwischen der Mittleren Reife und dem mittleren Bildungsabschluss, der an einer Werkrealschule gemacht wurde“, sagt er. „Die Werkrealschule ist ein weiterer Baustein in der Diskriminierung der Hauptschüler“ machte Prewo deutlich, „und Diskriminierung ist das Gift unseres Schulsystems.“ Vor kurzem habe ein großes Autohaus in der lokalen Presse bedauert, dass er Hauptschüler nicht mehr als Auszubildende einstellen könne. „Und die Werkrealschule wird auch weiterhin zahlreiche Hauptschüler nach der 9. Klasse entlassen, weil sie den für den Besuch der zehnten Klasse erforderlichen Durchschnitt nicht erreicht haben. Was soll aus diesen Schülern werden?“ Realschüler dürften die zehnte Klasse ganz selbstverständlich besuchen, wenn sie die Versetzung am Ende der neunten Klasse erreicht hätten. Prewo machte deutlich, dass dies eine Diskriminierung der Werkrealschüler und des Werkrealschulabschlusses sei, die ins Gesetz hineingeschrieben wurde. Zur sozialen Ungleichheit der Bildungschancen führte Prewo aus, dass in Baden-Württemberg – „und darin sind wir ‚Spitze‘“ – ein Akademikerkind eine fast 7-fach höhere Chance habe als ein Facharbeiterkind, ein Gymnasium zu besuchen. Zum Ausgleich dieser Ungerechtigkeit – denn ganz beseitigen ließe sie sich nicht – müsse das Schulsystem in Baden-Württemberg neu aufgestellt werden. Es müsste in mehr Ganztagesschulen möglichst länger gemeinsam gelernt werden. Der Schlüssel zum Erfolg jedes und auch eines solchen Bildungssystems sei die individuelle Förderung. Solange das aktuelle dreigliedrige Schulsystem erhalten bleibe, müsse die Realschule dringend gestärkt werden. Dass der einst als Mittelschule bezeichnete Schultyp in der Öffentlichkeit weniger Beachtung als Hauptschulen und Gymnasien findet, bedauert Rainer Prewo, der bei der Landtagswahl am 27. März darauf hofft, erneut für die SPD ein Mandat zu bekommen. Auch hält er es für falsch, dass die Landesregierung den Ausbau der Ganztagesschulen ausgerechnet bei den Realschulen auf 40 Prozent begrenzt hat. „Gerade hier brauchen wir mehr Ganztagesschulen“, denn die notwendige Differenzierung, die an den Realschulen geleistet werden müsse, brauche die Entzerrung und Rhythmisierung des Unterrichtsalltags. Angesichts der Tatsache, dass die Realschule in den vergangenen Jahren immer mehr zum Sammelbecken von Schülern mit den verschiedensten Fähigkeiten und Begabungen geworden ist, sei es gerade hier wichtig, die individuelle Förderung weiter auszubauen. Dass die Realschule als „Sandwichkind des dreigliedrigen Schulsystems“ erfolgreich arbeitet, sei doch der beste Beweis dafür, dass man Schüler mit den unterschiedlichsten Begabungen gemeinsam unterrichten könne. Dazu hätten gute Realschüler mit dem Übergang auf ein berufliches Gymnasium heute „vergleichbare berufliche Chancen wie Gymnasiasten“, auch deshalb erfreue sich die Realschule wachsender Beliebtheit. Angesichts der aktuell deutlich begrenzten Kapazitäten fordere die SPD in Baden-Württemberg, dass die Realschüler einen Rechtsanspruch auf den Besuch eines beruflichen Gymnasiums erhalten. Der Einladung des Arbeitskreises der Elternbeiräte waren zahlreiche Eltern und Schüler sowie einige Kommunalpolitiker gefolgt. Trotz der vorgerückten Stunde wurden nicht wenige teils kontroverse Fragen aus dem Publikum gestellt. Zum Problem des Unterrichtsausfalls bezog der SPD-Landtagskandidat für den Wahlkreis Calw dabei deutlich Stellung. Es sei nicht zu akzeptieren, dass in den allgemeinbildenden Schulen im Schnitt sechs Prozent des Unterrichts und in beruflichen Schulen sogar bis zu zwölf Prozent des Unterrichts ausfielen. „Stellen Sie sich vor, ein Busunternehmer würde zwölf oder auch nur sechs Prozent seiner Fahrten einfach ausfallen lassen – das würde doch niemand hinnehmen“, sagte Prewo. Auch die Verwirklichung der UN-Charta über die Rechte behinderter Menschen, die beispielsweise das Recht von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung auf Einbindung in den Regelunterricht fordert, kam zur Sprache. „Die Inklusion muss ausgebaut werden“, daran gibt es für Prewo keinen Zweifel. Die Schulen bräuchten dazu aber die notwendige Ausstattung und qualifiziertes Personal – Heilpädagogen, Stützkräfte und Sozialpädagogen müssten zum Personaltableau einer inklusiven Regelschule gehören. „Wir haben mit unseren Anträgen im Landtag immer wieder Anstoß dafür geben“, unterstrich Prewo, der aber auch künftig Sonder- und Förderschulen in der Schullandschaft sehen möchte. „Damit für die Eltern die freie Wahlmöglichkeit besteht, wo ihr Kind unterrichtet werden soll.“ Für Prewo steht auch außer Frage, dass alle von der Inklusion profitieren werden, da die Einbindung von Schülern mit Behinderungen auch die soziale Kompetenz aller Kinder und Jugendlicher fördere. Ein Wahlrecht der Eltern will der Calwer SPD-Landtagsabgeordnete aber nicht nur bei der Inklusion. Auch bei der Entscheidung, welche weiterführende Schule ein Kind besuchen soll, müsse die verbindliche Empfehlung der Grundschule abgeschafft werden – die Eltern sollen ein echtes Mitspracherecht erhalten. Abschaffen will die SPD auch die Studiengebühren, da diese sozial ungerecht seien. „Studiengebühren verschärfen die ohnehin im Schulsystem vorhandene soziale Untergerechtigkeit.“, so Prewo. Auf die Frage, ob die Bildungspolitik nicht besser zentral und einheitlich im Bund gemacht werden solle, strichen die beiden Vertreter der Regierungskoalition heraus, wie gut die Schüler Baden-Württembergs in Vergleichstests mit anderen Bundesländern abschnitten. Prewo machte deutlich, dass dies nach seiner Auffassung nicht das Verdienst des Bildungssystems sei. Das hänge bei uns stark am Engagement der Eltern. „In kaum einem anderen Bundesland sind die Eltern in so hohem Maße bereit, sich für den Schulerfolg Ihrer Kinder einzusetzen – sei es durch den Verzicht eines Elternteils auf die Berufstätigkeit oder durch Nachhilfe.“, so Prewo. In Baden-Württemberg geben die Eltern im Ländervergleich den höchsten Betrag für Nachhilfe aus – im Schnitt sind das 131 Euro pro Jahr. Pressemiteilung: SPD legt Sofortprogramm für Schulen vor und kritisiert Ein-Jahres-Bilanz von Kultusministerin Schick

 

saskiaesken.de

http://www.saskiaesken.de

Klicken und Spenden

Online spenden

mitmachen.spd.de

Mitmachen.SPD.de

Counter

Besucher:2308446
Heute:20
Online:1

Shariff